Die Geigerzähler schlagen aus, doch die sowjetische Presse schweigt. Am 26. April 1986 ereignet sich im ukrainischen Tschornobyl der grösste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. Auf der Suche nach einer Sprache für diese unsichtbare Katastrophe bereist die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch mit ihrer Kamerafrau Tatjana Loginowa zehn Jahre später die kontaminierten Gebiete im benachbarten Belarus und führt zahlreiche Interviews.
Alexijewitsch verdichtet diese Stimmen zu einem literarischen Werk, das 1997 als «Tschernobyl-Gebet – Eine Chronik der Zukunft» erscheint. Für ihr «vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut unserer Zeit ein Denkmal setze», erhält Alexijewitsch 2015 den Literaturnobelpreis.
Die Ausstellung rekonstruiert den Entstehungsprozess des Buches und präsentiert erstmals Materialien aus dem umfangreichen Videoarchiv, das die Erinnerungen belarusischer und ukrainischer Zeug:innen sichtbar und hörbar macht.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Slawistik und Osteuropastudien (ISOS) der Universität Zürich
Паглядзі, сірень. Усё дужа харошае расцець. Усё чыстае. Уся прырода.
Schau da, der Flieder. Alles, was wächst, ist völlig in Ordnung. Alles ist sauber. Die ganze Natur.
– Sinaida Kawalenka, Rückkehrerin in die Sperrzone
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Vernissage: Donnerstag, 16. April | 18.30 Uhr
Rémi Jaccard und Philip Sippel (Strauhof)
Philine Bickhardt und Prof. Sylvia Sasse (UZH)
Lesung aus «Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft»
Anschliessend Ausstellungsbesichtigung und Apéro
Keine Anmeldung, limitierte Plätze