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Aus den Fugen - Momente der Störung 2. Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst

Bis So, 11.09.2022
Migros Museum für Gegenwartskunst
Ugo Rondinone, Dog days are over, 1996. Photo: Jon Etter © the artist Ugo Rondinone, Dog days are over, 1996. Photo: Jon Etter © the artist

Julie Becker, Monica Bonvicini, Maurizio Cattelan, Anne-Lise Coste, Hanne Darboven, Sylvie Fleury, Florian Germann, Gianni Motti, Juan Muñoz, Ugo Rondinone, Michael Smith, Paul Thek, Nora Turato

Wie prägen Störungen unser Verhältnis zur Welt? Diese Frage stellt die zweiteilige Ausstellung anhand verschiedener Arbeiten aus der Sammlung des Museums. Störungen können als leises Knirschen den Normalverlauf unseres Alltags kurzzeitig zum Stocken bringen, aber auch dramatisch und radikal in unsere Realität einbrechen. Sie können die Ordnung von Gesellschaften, Systemen und Institutionen auf die Probe stellen und deren Funktionsweisen offenlegen, wobei gezielte Störversuche oft mit Kritik verbunden sind. Vielfältig in der Form, sind Störungen nicht zuletzt auch imstande, unsere Wahrnehmung zu manipulieren, Bedeutungen zu verschieben und Überzeugungen infrage zu stellen.

Eine zentrale Rolle spielt diese Destabilisierung unserer Wahrnehmung von Realität und Wahrheit im zweiten Teil der Ausstellung. Mehrere Arbeiten beleuchten hier, wie diese Begriffe durch bewusst konstruierte Zusammenhänge und Narrative ins Wanken geraten können. So verarbeitet die Künstlerin Julie Becker in ihrer Arbeit den Mythos einer verdeckten Beziehung zwischen dem Album Dark Side of the Moon von Pink Floyd und dem Film Der Zauberer von Oz (1939). Indem Becker erfahrbar macht, wie das Album einen geheimen Soundtrack zum Film darstellen könnte, befragt sie auch die Mechanismen solcher Mythenbildung. Bei Hanne Darboven und Paul Thek zeigt sich in den Werken selbst eine komplexe Verknüpfung von Themen aus gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten, die eine eigene verschachtelte Wahrheit zu behaupten scheint. Arbeiten wie diese lassen uns darüber nachdenken, wie wir selbst den Wahrheitsbegriff fassen und ihn individuell wie sozial aushandeln.

Zudem beleuchtet die Ausstellung Störungsszenarien, die als Reaktion auf das Weltgeschehen entstehen oder im Bereich der Fiktion – etwa in Film oder Literatur – entworfen werden. Mit satirischen Mitteln behandelt beispielsweise die im Jahr 1985 entstandene Arbeit von Michael Smith die Gefahr einer nuklearen Katastrophe, die besonders zur Zeit des Kalten Kriegs eine reale Bedrohung darstellte. Aber auch rein imaginäre Störungsszenarien können sich gesellschaftlich auswirken, indem sie unsere Interpretation der Realität prägen. Eine bedrohliche Stimmung geht auch von Monica Bonvicinis Installation und den Skulpturen von Juan Muñoz aus; beide deformieren uns vertraute architektonische Strukturen. Hier hängen Widerstand und Wut, Verletzlichkeit und Zerfall eng miteinander zusammen. Darüber hinaus sind in der Ausstellung Arbeiten zu sehen, die sich mit expliziten Figuren der Störung beschäftigen: Während Ugo Rondinones Arbeit vom Clown ausgeht, der an bestehenden Verhältnissen Kritik übt und gesellschaftliche Ängste demaskiert, greift Florian Germann das Phänomen des Poltergeistes auf, der angeblich Menschen heimsucht und schikaniert.

Wie schon im ersten Teil sind auch hier die Kunst und ihr Bezug zur Störung von Bedeutung. Kunst reflektiert das Gesellschaftliche nicht von ausserhalb, sondern aus ihrem Eingebundensein heraus, wobei Künstler*innen den Status Quo kritisieren, Konventionen unterlaufen sowie neue Perspektiven und Möglichkeitsräume aufzeigen können. Kunst und Störung sind eng miteinander verwandt – beide konfrontieren uns mit der eigenen Wahrnehmung und unserem individuellen wie gesellschaftlichen Selbstbild.

Migros Museum für Gegenwartskunst

Limmatstrasse 270
8005 Zürich

+41 44 277 20 50
Webseite

Tram 4/6/13: Löwenbräu

Öffnungszeiten

Dienstag: 11–18 Uhr
Mittwoch: 11–18 Uhr
Donnerstag: 11–20 Uhr
Freitag: 11–18 Uhr
Samstag: 11–18 Uhr
Sonntag: 11–18 Uhr

Bis So, 11.09.2022

Feiertage 11-18 Uhr

25.12. geschlossen

Preise

CHF 12/8*

Kombiticket mit der Kunsthalle Zürich: CHF 20/12*

*ermässigt

Jeden Donnerstag von 17-20h:
Eintritt frei

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre.

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