Ausstellungsansicht mit Werken von Rachel Lumsden und Yumna Al-Arashi (Foto: Zoe Tempest) Ausstellungsansicht mit Werken von Rachel Lumsden und Yumna Al-Arashi (Foto: Zoe Tempest)
Gianni Motti, EX-POSITION21, 2021 Edelstahl, Harz, Stoff, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich (Foto: Zoe Tempest) Gianni Motti, EX-POSITION21, 2021 Edelstahl, Harz, Stoff, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich (Foto: Zoe Tempest)
Marina Belobrovaja, Menschenskind!, 2021, Film DE/RU, 82 Min. (Foto: Zoe Tempest)
H.P. Weberhans aus: Wortmeldungen 16 x 16 Worte Lack auf Baumwollgewebe (Foto: Zoe Tempest) H.P. Weberhans aus: Wortmeldungen 16 x 16 Worte Lack auf Baumwollgewebe (Foto: Zoe Tempest)

Ein Leben zu führen, ohne Menschen (und Dingen!) zu vertrauen, erscheint wenig lebenswert. Wer hingegen zu oft und zu schnell sein Vertrauen verschenkt, lebt gefährlich. Vertrauen ist somit ein stetiger Balanceakt. Und: Eine Tätigkeit, deshalb schreiben wir das Wort im Ausstellungstitel klein. Vertrauen ist unsichtbar – und kann immens sichtbare Folgen haben. Vertrauen ist manipulierbar – und im Fall des Urvertrauens unverbrüchlich. Vertrauen schöpfen, gewinnen, erwecken oder erwerben wir – oder wir kriegen es geschenkt. Vertrauen kann eindeutig vieles sein. Ist stets latent gegenwärtig. Und wird doch selten isoliert betrachtet.

Vom Privaten bis ins Öffentliche, Institutionelle, von der Liebe bis zum Geschäft, zur Politik, zur Religion, vom Gesundheitswesen bis zur Justiz und zur Ernährung – ohne Vertrauen geht wenig. Und in Zeiten, in denen Echtheit und Authentizität permanent auf dem Prüfstand stehen, ist Vertrauen stets mit von der Partie. Künstliche Intelligenz und virtuelle Realität, Deepfake und Schönheitschirurgie machen Vertrauen zu einer kritischen Grösse. Das Designstudio Huber/Sterzinger stützt die Kommunikationskampagne zu dieser Ausstellung auf vermeintlich fotografische Porträts von Menschen. Die Algorithmen des Projekts «This Person Does Not Exist» generieren Gesichter von Menschen – die es nicht gibt. Die ausgewählten Gesichter verbinden die Gestalter mit der Frage, ob wir auch diesen Menschen vertrauen.

Bei der Konzeption dieser Ausstellung haben wir uns manchmal gefragt, ob das nicht eher eine Ausstellung über Misstrauen als über Vertrauen wird. Ein Zeichen dafür, dass wir das Vertrauen in die Kunst – und in die Welt? – verloren haben? Kunst, dieses künstliche Geschöpf, hat es schliesslich besonders schwer, Vertrauen zu gewinnen. Oder ist auch das gerade umgekehrt?

Vertrauen fängt in der Kunst schon im Schaffensprozess an: Kunst zu machen, braucht Vertrauen. Kunst auszustellen auch. Sie, die das lesen, brauchen Vertrauen in uns, um ins Helmhaus zu kommen. Erwarten Sie nicht zu viel – und misstrauen Sie somit diesen Zeilen ruhig auch ein wenig. Denn wir machen es Ihnen nicht nur einfach. Sie müssen Ihr Vertrauen in diese Ausstellung manchmal auch erarbeiten. Und bauen so – hoffentlich – Vertrauen auf: in die Künstler:innen, in uns, in die Ausstellung. Ansonsten hätten wir es missbraucht: Ihr Vertrauen.

Helmhaus

Limmatquai 31
8001 Zürich

+41 44 415 56 77
Webseite

Tram 4/15: Helmhaus

Fotografieren erlaubt
Hunde erlaubt

Öffnungszeiten

Dienstag: 11–18 Uhr
Mittwoch: 11–18 Uhr
Donnerstag: 11–20 Uhr
Freitag: 11–18 Uhr
Samstag: 11–18 Uhr
Sonntag: 11–18 Uhr

Bis So, 13.11.2022

Preise

Eintritt frei

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