Ferienfeeling in den Zürcher Museen
Von schattigen Gärten bis zu coolen Ausstellungen: Zürichs Museen sorgen für Ferienfeeling in der Stadt.
Sammlungen machen sichtbar, wie Gesellschaften in unterschiedlichen Zeiten Wissen ordnen, bewerten und bewahren. Sie erzählen nicht nur von technischen und wissenschaftlichen Innovationen, sondern auch davon, welche Vorstellungen von Fortschritt, Körper und Zeit damit verknüpft sind – und was dabei unsichtbar bleibt. Was von wissenschaftlicher Arbeit bleibt, sind nicht nur Erkenntnisse, sondern auch ihre Spuren: Dokumente, Objekte, Instrumente und Geschichten. Archive und Sammlungen bewahren diese Zeugnisse und schaffen zugleich die Grundlage dafür, wie wir Wissenschaft erinnern und verstehen. Zwischen Forschung, Vermittlung und Bewahrung stehen sie vor der Herausforderung, Vergangenheit zugänglich zu machen und zugleich den Blick in die Zukunft offen zu halten. Wie dieser Auftrag heute gelebt wird, zeigen Michael Gasser, Leiter Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek, Sabina Carraro, Sammlungsleiterin und Konservatorin-Restauratorin des Moulagenmuseums Zürich, sowie Rebecca Ramö Streith, Museumsleiterin des Uhrenmuseums Beyer.
Michael Gasser (Leiter Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek), universitäre Sammlungen und Archive bewahren nicht nur wissenschaftliche Quellen, sondern prägen auch unser Verständnis von Wissenschaftsgeschichte. Welche Verantwortung kommt ihnen dabei zu, zukünftigen Generationen eine kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Fortschritt zu ermöglichen – insbesondere in einer Zeit, in der immer mehr Wissen digital entsteht und überliefert wird?
Die Aufgabe wissenschaftlicher Sammlungen und Archive besteht nicht nur darin, Wissen zu bewahren. Entscheidend ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Wissenschaft und die Produktion von Wissen auch künftig in ihrer historischen Tiefe verstanden und kritisch hinterfragt werden können. Wir verstehen uns deshalb als Infrastrukturen für Forschung, Lehre und gesellschaftliche Reflexion.
Wissenschaft hinterlässt nicht nur Erkenntnisse, sondern auch ihre Entstehungsgeschichte: Dokumente, Daten, Instrumente und Objekte. Sie zeigen, wie Wissen entsteht, welche Annahmen dahinterstehen – und manchmal auch, was übersehen wurde.
Mit der Digitalisierung erweitert sich dieser Auftrag. Neben analogen Quellen sichern wir auch digitale Überlieferungen. Das ETH Data Archive der ETH-Bibliothek stellt dafür die notwendigen Systeme bereit. Digitale Plattformen für Alte Drucke, Archivalien oder Bilder eröffnen weltweit einen offenen Zugang zu unserem wissenschaftlichen Kulturerbe und schaffen neue Möglichkeiten für Forschung, Lehre und Öffentlichkeit.
Ebenso wichtig ist die Vermittlung. Unsere Formate reichen von der interaktiven Einführung zu Cellarius’ Kosmographien von 1708 über extract-Ausstellungen zu aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen bis zum Rundgang zur Erinnerungskultur der ETH Zürich im Kontext kolonialer Verflechtungen. So machen wir deutlich: Wissenschaftsgeschichte ist keine lineare Erfolgsgeschichte, sondern Grundlage für eine reflektierte Gestaltung der Zukunft.
Sabina Carraro (Sammlungsleitung/Konservatorin-Restauratorin vom Moulagenmuseum), das Moulagenmuseum zeigt historische und aktuelle Wachsmoulagen von Hautkrankheiten und chirurgischen Eingriffen und gehört zu den bedeutendsten Sammlungen weltweit. Wie verändert der Blick auf diese sehr materiellen, körperlichen Objekte unseren Begriff von medizinischem Fortschritt – und was lässt sich an ihnen über frühere Vorstellungen von Krankheit, Wissenschaft und Zeit ablesen?
Wachsmoulagen machen medizinischen Fortschritt in dreidimensionaler Form erfahrbar: Sie zeigen, dass medizinische Erkenntnis stets an konkrete Körper, Technologien und Blickgewohnheiten gebunden ist – nicht nur an abstrakte Ideen.
Moulagen veranschaulichen Krankheiten historischer Patient*innen, die heute selten oder sogar verschwunden sind. Die Auswahl der dargestellten Fälle (z. B. Syphilis, Tuberkulose) zeigt, welche Krankheiten als medizinisch wichtig, aber auch gesellschaftlich und moralisch bedrohlich galten.
Moulagen dienten als Dokumentation von Forschung und bis heute auch als Lehrmittel – sie materialisieren Praktiken der Klinik um 1900 und bleiben zugleich relevant für die medizinische Lehre. Dass oft nicht nur die Läsion, sondern ein ganzer Körperausschnitt gezeigt wird, zeigt die Absicht, neben der Krankheit auch die Patient*innen zu erfassen.
In Wachs konservierte Krankheitsverläufe erlauben einen direkten Vergleich zwischen historischen und heutigen Therapiemöglichkeiten und machen Langzeitfolgen sichtbar. Moulagen verbinden damit unterschiedliche medizinische Zeiten und Wissensordnungen: Sie zeigen, dass medizinische Bilder ihre Bedeutungen wechseln und historisches Körperwissen in neuen Zusammenhängen wieder an Relevanz gewinnt. Zugleich legen sie zentrale ethische Konfliktlinien offen, insbesondere hinsichtlich Einwilligung und öffentlicher Sichtbarkeit von Patient*innen.
Rebecca Ramö Streith (Museumsleiterin vom Uhrenmuseum Beyer), das Uhrenmuseum Beyer zeigt Zeitmesser von der altägyptischen Wasseruhr bis zur modernen Armbanduhr und veranschaulicht so Jahrtausende der Zeitmessung. Wie erzählt die Sammlung die Geschichte des technischen Fortschritts – und wo durchbrechen einzelne Objekte vielleicht ein allzu lineares Fortschrittsnarrativ?
Die Sammlung des Uhrenmuseums Beyer bietet einen Einblick in die Entwicklung der Zeitmessung über mehr als 3.400 Jahre. Sie verdeutlicht, wie der Mensch im Laufe der Jahrtausende immer neue Wege gefunden hat, die Zeit zu messen und zu verstehen.
Gleichzeitig erzählt jedes Objekt von der Welt, in der es entstanden ist, von wissenschaftlichen Entdeckungen, handwerklicher Meisterschaft, Kultur und gesellschaftlichem Wandel.
Viele unserer Objekte stellen zudem eines allzu linearen Fortschrittsnarrativ infrage. Astronomische Uhren vereinen beispielsweise Wissenschaft, Technik und Handwerkskunst auf einem Niveau, das noch heute beeindruckt. Ebenso zeigen spielerische, teilweise auch bewegliche oder musikalische Uhren sowie kunstvoll gestaltete Uhren mit Miniaturmalereien, dass Präzision nicht das einzige Ziel war. Ästhetik, Wissen und Symbolik spielten oft eine ebenso wichtige Rolle.
Unsere Objekte sind daher viel mehr als Instrumente zur Zeitmessung. Sie zeigen, wie Kunst, Wissenschaft und Technik über Jahrhunderte hinweg zusammengewirkt haben, und spiegeln die beständige Neugier des Menschen sowie seinen Wunsch wider, die Welt besser zu verstehen.
Von schattigen Gärten bis zu coolen Ausstellungen: Zürichs Museen sorgen für Ferienfeeling in der Stadt.
Der Sommer ist in den Zürcher Museen angekommen: Spaziergänge, Gärten und besondere Orte unter freiem Himmel laden zum Erkunden ein.
Tastobjekte, Audiodeskriptionen, Klangräume oder multisensorische Führungen: Zürcher Museen schaffen vielfältige Zugänge für blinde und sehbehinderte Menschen.
Vier Perspektiven zeigen, wie Museen heute kulturelles und wissenschaftliches Erbe zugänglich machen und für morgen weiterdenken.