Highlights zum Jahresauftakt
Zum Jahresbeginn warten in den Zürcher Museen besondere Highlights: Must-Sees, letzte Besuchsmöglichkeiten, Jubiläen und Ausstellungen voller Macht, Leidenschaft, Natur und Design.
Kurator*innen haben eine vielseitige Tätigkeit in Museen. Sie sind verantwortlich für Sammlungen und Ausstellungen und kümmern sich um die Beschaffung von Exponaten und die Gestaltung von Ausstellungskonzepten. Dabei arbeiten sie eng mit Künstler*innen und der Öffentlichkeit zusammen. Anders gesagt: Kurator*innen sind die kreativen Köpfe hinter den Ausstellungen und gestalten die Zukunft von Museen.
Daniel Morgenthaler, entspricht dieses Bild Ihrem Berufsalltag? Wie dürfen wir uns diesen vorstellen?
Das Bild ist schön, aber vielleicht als Beschreibung für die Tätigkeit von Kurator*innen etwas gar schmeichelhaft. Im Falle einer Institution wie dem Helmhaus sind die «kreativen Köpfe» zu einem grossen Teil die Künstler*innen in unseren Ausstellungen, und die Zukunft der Kunstmuseen liegt auch hauptsächlich in Künstler*innenhand. Es ist oft ein Balanceakt, aber ich versuche tendenziell, das Ausstellungsmachen nicht als meine Selbstverwirklichung zu verstehen, für die ich Künstler*innen instrumentalisiere, sondern als Schaffen von Plattformen, auf denen Künstler*innen ihre Visionen realisieren können. Gleichzeitig gibt es natürlich durchaus auch Fragen, die wir Kurator:innen klären müssen, und für deren Lösung wir die Verantwortung nicht abgeben dürfen. Ich denke da vor allem an ökonomische Fragen wie die Bezahlung künstlerischer Arbeit oder andere Realitäten der Existenz von Künstler*innen – ohne sie würden wir ja wirklich keine einzige Ausstellung zustandekriegen.
Gerade der letzte Punkt bedeutet auch, dass ökonomische und finanzielle Belange tendenziell immer mehr Anteil am Berufsalltag haben. Mir wird unter anderem bewusst, dass ich mir zumindest minimales Know-how aneignen muss, um etwa Wege zu finden, um Künstler*innen, mit denen wir zusammenarbeiten, auch in Bezug auf ihre Altersvorsorge zu unterstützen. Da kann es auch mal sein, dass die rein inhaltliche, thematische Arbeit stellenweise nur noch einen kleinen Anteil am Berufsalltag hat. Und dann kann es umgekehrt sein, dass dieser kleine Teil die anderen Aspekte des Berufsalltags plötzlich auffrischt oder energetisiert: Ich denke da zum Beispiel an einen Abend, den meine Kollegin Nathalie Killias und ich organisiert haben; wir haben die Künstler*innen unserer Herbstausstellung «verstehen» ins Helmhaus eingeladen, um einander kennenzulernen und über die Kunstwerke zu sprechen, die sie am Entwickeln sind. Das war für mich eine Sternstunde und hat mir Impulse auch in ganz vielen anderen Bereichen meines Alltags gegeben. Vielleicht könnte das skizzierte Bild des Berufsstandes noch ergänzen: Kurator*innen schaffen meiner Meinung nach Beziehungen – zwischen Künstler*innen und dem Publikum, manchmal sogar zwischen unterschiedlichen Publika.
Wie wählen Sie die Themen für Ausstellungen aus?
Das geschieht sehr unterschiedlich. Eine Ausstellung wie «of Color», bei der es 2019 um den Zusammenhang von Farbe und Diskriminierung ging, entstand auf dem Nährboden einer künstlerischen Arbeit. Lynne Kouassi hatte für ein anderes Projekt vorgeschlagen, den weissen Boden des Helmhauses anders einzufärben und so das Bewusstsein zu schärfen für die verschiedenen Konnotationen der Farbe (oder Nichtfarbe) Weiss. Auf diesem Grund ist dann das Konzept der Gruppenausstellung nach und nach organisch gewachsen. Im Falle unserer Herbstausstellung «verstehen» stand eigentlich eine leise Verzweiflung von uns Ausstellungsmachenden am Anfang: Wir hören immer wieder von Menschen, die etwa an unsere Führungen kommen, dass sie die Kunstwerke niemals verstanden hätten, wenn wir sie ihnen nicht «erklärt» hätten. Dieser Anspruch, zu verstehen, der von unseren Künstler:innen auch immer mal wieder erfolgreich sabotiert wird, ist derart verbreitet, dass wir das Verstehen sogar zu unserem Jahresthema gemacht haben. Aber keine Angst, «verstehen» wird nicht einfach eine absichtlich unverständliche Angelegenheit werden, sondern ein Versuch, das Thema des Verstehens sehr unterschiedlich auszuleuchten. Hin zu Kunstwerken, die aufzeigen, dass unablässiges Verstehenwollen das Gegenüber auch verletzen kann.
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