Co-Leitung des Musée Visionnaires: Sandra Smolcic und Manuela Hitz (v. l. n. r.)
Foto: Sarah Lebeck-Jobe
Foto: Manuela Hitz
Foto: Manuela Hitz
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Im Musée Visionnaire ist der Name Programm: Ausgestellt werden Künstler*innen, die im Verborgenen Grossartiges schaffen – und sich mit ihren Werken, den Einflüssen des Kunstbetriebs entziehen. Mit dieser Ausrichtung ist das Musée Visionnaire auf dem Platz Zürich die einzige Institution in dieser Art. 2013 wurde das Museum gegründet und wird in einer Co-Leitung von Sandra Smolcic und Manuela Hitz geführt.

Frau Hitz, Sie gehen auf Entdeckungsreise und suchen nach verborgenen Schätzen in Archiven, Ateliers und psychiatrischen Institutionen, um kreatives Potenzial von Stadtoriginalen, schrägen Vögeln und unbekannten Kunstschaffenden aufzuspüren. Wie dürfen wir uns das konkret vorstellen? In Bezug auf den Ausstellungsprozess?
Wir möchten sichtbar machen, was noch nicht sichtbar ist – das ist unsere Intention. Uns interessieren Künstler*innen, die aus dem System, aus dem Rahmen fallen, die sich abseits der kommerziellen Kunstkategorien bewegen. Die künstlerischen Strategien und Ausdrucksformen stehen dabei immer im Vordergrund – ganz unabhängig davon, woher die Menschen kommen, ob sie Beeinträchtigungen haben oder ob ihr CV sie als erfolgreiche Künstler*innen ausweist.
Im Musée Visionnaire zeigen wir vor allem lokale Künstler*innen aus dem Kanton Zürich und Umgebung. Je nach Ausstellungskonzept, kombinieren wir diese auch immer wieder mit internationalen Positionen. Mal rücken wir dabei zeitgenössische Künstler*innen in den Fokus, die aktuelle Themen aufgreifen, mal zeigen wir ganze Lebenswerke. Das kann auch beides in ein und derselben Ausstellung passieren, was das Zusammenspiel der verschiedenen Positionen umso spannender macht. Big Names spielen in unserer Herangehensweise an die Kunst allerdings nie eine Rolle, vielmehr wollen wir denjenigen Künstler*innen Raum und Relevanz geben, die – zu Unrecht – häufig übersehen werden.

Nicht akademische Kunst, sondern ursprüngliche Kreativität und das damit verbundene Handeln und Denken ausserhalb eingefahrener Muster stehen also im Vordergrund. Können Sie uns mehr dazu erzählen?
Der Name ist bei uns Programm: Wir sind visionär, wir denken auch in der Konzeption unserer Ausstellungen abseits gängiger Ausstellungspraktiken. Nicht nur die Künstler*innen, die wir ausstellen, sondern auch wir selbst versuchen immer wieder den Rahmen zu sprengen, was museale Moden anbelangt. Das bedeutet, dass wir beispielsweise auch öffentliche Kunst, also Streetart, zeigen – wie die von Ben Wilson oder Harald Naegeli. Beide eröffnen einen neuen Blick auf die Kunst, aber auch auf unsere Wahrnehmung des städtischen Raums.
Unüblich, ausserhalb der eingefahrenen Muster der Betrachtenden ist auch unser Arbeitsplatz: Unser Büro ist nicht etwa in einem abgetrennten Raum untergebracht, sondern mitten in der Ausstellung. Wir experimentieren gewissermassen auch mit den Ausstellungsräumen und den Erwartungen an den Kunstbetrieb.
Dieses out of the box-Denken spiegelt sich vor allem auch in der Kunst wider, die wir in unser Haus holen. Wir zeigen Künstler*innen, die sehr intrinsisch arbeiten, die sich teils gar nicht darüber bewusst sind, dass sie Kunst machen. Häufig entstehen ihre Werke aus einem inneren, unbedingten Drang nach Kreativität. Gerade in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der dem Intrinsischen, dem Individuellen wieder mehr Bedeutung zukommt, sehen wir in dieser Kunst und unserer Ausstellungspraxis ein grosses Potenzial. Wir wollen die rohe, direkte Kunst in den Mittelpunkt stellen und zeigen, dass sie sich keinesfalls hinter der Kunst innerhalb des Systems verstecken muss – ganz im Gegenteil. Indem wir die «Outsider Art» in den musealen Kontext inkludieren, öffnen wir den Dialog für ein breiteres Kunstverständnis. Denn letztlich wollen wir vor allem auch eines: den Kunstbetrieb zugänglicher und diverser gestalten.

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