Völkerkundemuseum UZH: Ein Bambuswald, der Erinnerungen trägt
Die geheime Treppe im Helmhaus
Museum Rietberg / Tausende Werke unter der Erde: das Schaudepot des Museums Rietberg
Verborgene Botschaften im Haus zum Rech
focusTerra – ETH Zürich, Lichthof des NO-Gebäudes vor dem Umbau von 1966
Verborgene Winkel im Landesmuseum Zürich

Ein unsichtbarer Gang, ein Depot voller Kunst, rätselhafte Sinnsprüche, Stimmen zwischen Bambushalmen und ein Lichthof hinter unscheinbaren Mauern: Die Zürcher Museen bergen weit mehr als das, was auf den ersten Blick zu sehen ist. Vielleicht ist das ohnehin die schönste Art, ein Museum zu besuchen: nicht nur auf der Suche nach dem berühmtesten Werk, sondern nach Türen, Details und Geschichten, an denen man sonst vorbeigegangen wäre.

Die geheime Treppe im Helmhaus
Mitten in Zürich, zwischen Helmhaus und Wasserkirche, verbirgt sich ein Weg, den kaum jemand kennt. Vom dritten Stock des Helmhauses führt eine schmale Spindeltreppe vier Etagen hinunter bis in die Wasserkirche. Zu sehen ist davon fast nichts. Der Zugang liegt unter einer kaschierten hölzernen Falltür. Wer die Treppe hinabsteigt, passiert auf jedem Stockwerkabsatz ein kleines quadratisches Fenster mit Blick hinaus auf das Limmatquai, bis schliesslich eine unscheinbare Holztür in die Wasserkirche führt. Warum dieser verborgene Durchgang einst gebaut wurde? Das bleibt bis heute ein Geheimnis. Wie auch, dass sie verborgen und nicht sichtbar bleibt. Und vielleicht ist genau das ihr grösster Reiz.

Tausende Werke unter der Erde: das Schaudepot des Museums Rietberg
Museumsdepots gehören normalerweise zu jenen Orten, die dem Publikum verborgen bleiben. Nicht so im Museum Rietberg. Zwischen dem ersten und zweiten Untergeschoss des Smaragd befindet sich ein Schaudepot mit rund 8000 Werken aus Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien. Dicht an dicht stehen und hängen hier Objekte, geordnet nach Kulturen und Regionen. Was in den Ausstellungssälen keinen dauerhaften Platz findet, wird hier sichtbar. Statt einzelner, sorgfältig inszenierter Meisterwerke begegnet man der Sammlung beinahe in ihrer ganzen überwältigenden Dichte. Ein Blick hinter die Kulissen des Museums – ohne tatsächlich hinter eine verschlossene Tür treten zu müssen.

Verborgene Botschaften im Haus zum Rech
Wer das Haus zum Rech betritt, sollte den Blick nach oben richten: Im ersten Stock verbergen sich prachtvolle bemalte Decken aus dem 17. Jahrhundert. Sie gehören zu jenen historischen Details, an denen man leicht vorbeigeht – zumal man sie nur entdeckt, wenn man den öffentlichen Lesesaal besucht. Und es gibt noch mehr zu lesen: Über den Fenstern finden sich alte Sinnsprüche wie «Glück hat Tück» oder «Nyd ein böse Kryd». Der öffentliche Lesesaal ist Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 13 Uhr zugänglich.

Völkerkundemuseum UZH: Ein Bambuswald, der Erinnerungen trägt
Zwischen dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich und seinem frisch sanierten Depot liegt ein Bambuswald. Ein stiller Ort – zumindest auf den ersten Blick. Denn zu bestimmten Zeiten beginnt er zu klingen. Für seine Soundinstallation «Ethnosphere: Of Land and Memory» arbeitete der nigerianische Künstler Emeka Ogboh mit Material aus dem Tonarchiv des Museums. Stimmen und Klänge aus dem Archiv treten so aus ihrem bewahrten Kontext heraus und begegnen der Gegenwart im Freien. Der Garten wird dabei selbst zum Resonanzraum – für Landschaft, Erinnerung und die Frage, was geschieht, wenn archivierte Klänge an einem neuen Ort wieder hörbar werden. Während der Sommermonate erklingt Ethnosphere zu jeder vollen Stunde von 9 bis 17 Uhr für gut 20 Minuten. 

Hinter unscheinbaren Mauern: der Lichthof vom focusTerra - ETH Zürich
Von aussen verrät das Gebäude von focusTerra - ETH Zürich wenig davon, was sich in seinem Inneren verbirgt. Wer es betritt, findet sich jedoch in einem überraschend grosszügigen historischen Lichthof wieder. Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1912 und 1916 vom Zürcher Architekten Gustav Gull. In den 1960er-Jahren wurde es stark modernisiert, bevor es bei der Sanierung von 2005 bis 2009 wieder näher an seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt wurde. Heute trifft historische Architektur auf eine bewusst moderne Ausstellungsgestaltung. Gerade dieser Kontrast macht den Ort besonders: draussen eher zurückhaltend, drinnen weit, hell und beinahe monumental. Ein verborgenes Stück Zürcher Architekturgeschichte mitten im Hochschulquartier.

Verborgene Winkel im Landesmuseum Zürich
Das Landesmuseum Zürich ist voller überraschender Räume, Durchgänge und Winkel, die man beim ersten Besuch leicht übersieht. Etwa den Fahnenraum, die untere Kapelle oder den Trachtenturm: Orte, an denen sich Architektur und Sammlung auf besondere Weise begegnen. Wer sich abseits der grossen Säle treiben lässt, entdeckt historische Details, ungewohnte Perspektiven und stille Ecken.

 

Weitere Blogbeiträge

  • Zum Welt-Architekturtag

    07.10.2026 / Blog

    Zum Welt-Architekturtag rückt die Architektur der Zürcher Museen in den Fokus – und mit ihr Häuser voller überraschender Geschichten.

  • Wie Sammlungen Fortschritt prägen

    01.07.2026 / Blog

    Michael Gasser, Sabina Carraro und Rebecca Ramö Streith über Sammlungen, Archive und den Blick auf wissenschaftlichen Fortschritt.

  • Ferienfeeling in den Zürcher Museen

    30.06.2026 / Blog

    Von schattigen Gärten bis zu coolen Ausstellungen: Zürichs Museen sorgen für Ferienfeeling in der Stadt.

  • Zwischen Limmat, Linden & Literatur

    03.06.2026 / Blog

    Der Sommer ist in den Zürcher Museen angekommen: Spaziergänge, Gärten und besondere Orte unter freiem Himmel laden zum Erkunden ein.

Partnerin